Freitag, 18. Mai 2018, 19:30 Uhr
Melanchthonkirche Bochum

Zwischen Zeit und Ewigkeit

Dr. Maik Hester

Tom Johnson
‚An Hour for Piano’, 1971

Klavier: Dr. Maik Hester

Eintritt: 8 / 5 EUR

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Tom Johnson (* 1939): An Hour for Piano, 1971

Tom Johnsons Klavierstück An Hour for Piano entstand im Jahr 1971. Das Werk begann bereits
1967 als Serie kurzer, improvisatorischer Skizzen während Tom Johnsons Zeit in einem Modern
Dance Kurs an der New York University. Johnson erweiterte diese Skizzen allmählich und verband
sie durch Übergänge, so dass am Ende ein einstündiges Werk dabei herauskam. Dieses Ziel zu
erreichen erfordert ein absolut gleichmäßiges Zeitmaß, das Johnson auf 59,225 Viertel pro Minute
festlegte.

An Hour for Piano ist täuschend einfach. Es gibt sechs Grundstrukturen, die der Komponist nach
Gusto miteinander abwechselt. Für diese Strukturen gibt es kein festes Ordnungsprinzip, und die
Übergänge verwischen die Grenzen zwischen den einzelnen Formteilen.
Kyle Gann schreibt dazu: „Das Stück entfernt sich niemals von der Tonart G, wenngleich von Zeit
zu Zeit auch dissonante Motive durchschimmern. Das Pedal bleibt konstant gehalten, und 99
Prozent der Töne liegen innerhalb oder oberhalb des Violinschlüsselbereichs. Dadurch verlieren
Vergangenheit und Gegenwart an Bedeutung und der Zuhörer erlebt stattdessen eine beinahe ewige
Gegenwart.

1974 ergänzte Tom Johnson das Werk um einen Begleittext, der gelesen werden soll, während man
das Werk anhört. Der Text soll die Fähigkeit steigern, sich auf das Stück zu konzentrieren und sich
nicht durch das Lesen der Anmerkungen von der Musik ablenken zu lassen. Die durchaus
umfangreichen Anmerkungen reflektieren die Komposition auf eine gewisse Art, indem einzelne
Sätze oder ganze Abschnitte mit leichten Abweichungen im Text immer wiederkehren.
An Hour for Piano bildet einen unaufdringlichen Wendepunkt im Komponieren. Es ist einfach
genug, um es bereits beim ersten Hören zu verstehen, komplex genug, um es niemals vollständig
erfassen zu können und bedeutsam genug, um eine neue Kompositionsweise einzuführen.

 

Maik Hester,

international renommierter Konzertakkordeonist und promovierter Musikwissenschaftler, lebt und arbeitet freischaffend in Witten. Er gibt Konzerte, macht Theater-, Bühnen-, Film- und Studiomusik, restauriert Akkordeons, ist künstlerischer Lehrbeauftragter der Technischen Universität Dortmund für Akkordeon, Klavier und Musiktheorie, leitet dort auch das Ensemble für Neue Kammermusik, entwickelt Klanginstallationen, gibt Seminare und hält Vorträge.